Der Tisch der Armen. Sozio-ökonomische Schwäche im kulinaristischen Blick von Eliten

Dieser Band soll den gesellschaftlichen Diskurs bezüglich der Ernährungsgewohnheiten von Unterschichten und Randgruppen beleuchten. Im Zentrum steht dabei das Streben nach sozialer Distinktion, das seit jeher auch mittels kulinaristischer Aspekte des Soziallebens betrieben wird. Dieses Verhalten ist zunächst auf die Standesgenossen gemünzt, doch die Notwendigkeit der Abgrenzung zu weniger erwünschten Zuschreibungen lässt auch die Analyse eines umfangreichen Diskurses über die Gewohnheiten als niedriger empfundener sozialer Gruppen zu. Das so erzeugte Gefühl der Überlegenheit und Alterität beinhaltet insbesondere fürsorglich-paternalistische Haltungen einer- und offen verachtende Aspekte andererseits. Virulente Dekadenzdiskurse, Begegnungen mit ‚Randvölkern‘ und eigene soziale Schwierigkeiten können ein Übriges tun. So entsteht häufig ein von den jeweiligen Normen abhängiges Dilemma aus der Pflicht zu ‚standesgemäßer‘ Lebensweise einer- und einem bewunderten, doch selten ernsthaft verfolgten Idealbild. Diesem soll der Focus dieses Bandes gelten. Den hierhinter steckenden Mechanismen sozialen Zusammenleben sucht dieser Band auf die Spur zu kommen, sowohl aus Sicht der Geschichts- als auch der Literatur- und Sozialwissenschaft.

Zum (federführenden) Herausgeber: Werner Tietz ist Professor für Alte Geschichte an der Universität zu Köln. Seit seiner Habilitation ‘Dilectus ciborum. Essen im Diskurs der römischen Antike’ (ersch. Göttingen 2013) befasst er sich vor allem mit der antiken Landwirtschaft und dem Diskurs, der sich um Erzeugung und Verwendung von deren Produkten in Ernährung, Verteilung und Magie vollzieht.