Wir über uns

DAS SELBSTVERSTÄNDNIS DES KULINARISTIK-FORUMS

1. Wer sind wir?

Wir sind ein 2008 ins Leben gerufenes, wissenschaftliche Fächer und verschiedene Branchen übergreifendes Netzwerk der Kultur- und Lebenswissenschaften in der Rechtsform eines gemeinnützigen Vereins, verankert in der Metropolregion Rhein-Neckar und deutschlandweit aufgestellt. Unser Name ist abgeleitet von lat. culina, die Küche. Die Namenwahl spiegelt Bewertungen des kulturellen Stellenwerts der Küche, wie sie auch von Ethnologen wie Claude Levi Strauss oder  Richard Wrangham und anderen formuliert wurden. Unsere Mitglieder werden gewählt. Sie kommen aus unterschiedlichen Disziplinen, Branchen und Heimatregionen. Die meisten von ihnen – derzeit zählt das Forum rund 70 Mitglieder – sind Wissenschaftler oder Geschäftsführer angesehener Institutionen der Wissenschaft, der Kulturarbeit, der Wirtschaft und der beruflichen Weiterbildung, unter ihnen der Präsident des Max Rubner-Bundesforschungsinstituts für Ernährung und Lebensmittel (Karlsruhe), der Präsident der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (Stuttgart), der Geschäftsführer der Universitätsmedizin Mannheim, die Direktoren des Wilhelm Hack-Museums Ludwigshafen, des Instituts für Kulturanthropologie der Universität Göttingen oder der Hotelfachschule Heidelberg sowie führende Vertreter der Verbraucherbildung, der Japanologie, der Sinologien, der Linguistik und Literaturwissenschaft, der Sozialwissenschaften, der interkulturellen Germanistik, der Geschichtswissenschaft und empirischen Kulturwissenschaft. Auch der Bischof von Speyer und andere Theologen sind Mitglieder des Kulinaristik-Forums. Das Forum fördert sowohl die disziplinäre und branchenspezifische als auch die interdisziplinäre und branchenpraktische Arbeit der Kulinaristik und wahrt in der Veranstaltungsplanung die Selbstständigkeit seiner Mitglieder. Insofern kann das Netzwerk auch als Kompetenz-Zentrum oder Cluster, im Sinne der Unternehmensorganisation auch als Holding oder als Orchester beschrieben werden, dessen Mitglieder ihre Instrumente im Interesse eines möglichst guten Zusammenspiels möglichst gut spielen.

2. Wofür stehen wir?

Wir stehen für die Annahme, dass Essen und Trinken sowohl Grundbedürfnisse als auch kulturtragende Kommunikationsformen und Zeichensysteme, Wirtschaftsbereiche und konstitutive Faktoren der kulturellen Gedächtnisse sind, die in ihrer Gesamtheit unseren Alltag und unseren Festtag in einem so hohen Maße prägen, dass man Essen und Trinken ein genannt hat (Mauss) und Kulturen sich nicht nur über ihre rechtlichen, sprachlichen, sozioökonomischen und politischen Systeme, sondern auch über ihre Essensordnungen definieren.

Wir stehen ebenso für die Einsicht, dass Essen und Trinken als Handlungsvollzüge an einen identischen Körper gebunden sind, also nicht vertreten oder delegiert werden können und, da jede Speise zu einem Symbol werden kann, der Akt des Essens und der Akt der Stiftung von Bedeutungen und Werten unmittelbar miteinander verbunden sind.

Wir stehen ferner für die Erkenntnis, dass das Essen als Handlung und Institution infolge dieser Verschränkung zweier Akte eine kulturierende Bedeutung für den Aufbau der Person und für die Verständigung zwischen den Menschen erlangt, in der es zum Spiegel, zum Ausdruck und zum Regulativ sozialer Verhältnisse und damit zu einem Politikum ersten Ranges wird.

Wir stehen des Weiteren für die Einsicht, die kulinarische Bildung der Menschen sei zugleich als kulturelle Bildung zu begreifen und die vielfältigen Bedeutungen des Essens im Aufbau der Kultur(en), im Zusammenleben der Menschen und im Leben des Einzelnen im Interesse der Lebensqualität möglichst vielen Zeitgenossen seien entsprechend zu verdeutlichen. Auf dieser Basis stehen wir schließlich für die Einsicht, dass der komplexe Gegenstand des Essens und der Gastlichkeit nur interdisziplinär und im Rahmen wechselseitiger Aufklärung von Theorie und Praxis besser verstanden und in einer verständlichen und angemessenen Sprache vermittelt werden kann. Die wichtigsten Dimensionen der Kulinaristik visualisieren wir im Modell  dreier konzentrischer Kreise: Der innerste Kreis repräsentiert die Notwendigkeit zu essen und zu trinken (Nutrition). Darum wirken Natur- und Ernährungswissenschaftler sowie Mediziner im Kulinaristik-Forum mit. Der zweite Kreis steht für die Kulturen. Sie machen aus dem Reich der Notwendigkeit ein Reich der Vielfalt von Speisen und Getränken, von Regeln, Zeichen, Normen, Ritualen, Redeweisen oder Symbolen. Der dritte und umfassendste Kreis repräsentiert die Gastlichkeit. Sie gehört zu den ältesten Konzepten, mit denen Menschen ihr Zusammenleben regeln; sie hält die Vielfalt der Menschen, Völker und Kulturen kommunikativ zusammen, sie ist das Rahmenthema der Kulinaristik.

3. Was wollen wir?

        • Wir wollen zum wechselseitigen Nutzen von Theorie (Wissenschaft) und Praxis (Umgang mit Lebensmitteln) eine kooperative Erkenntnisarbeit aufbauen,
        • die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Kulturarbeit und Bildungsinstitutionen fördern und das Interesse der wissenschaftlichen Fächer am Thema und an der Kooperation stärken,
        • die schulische Umsetzung der Kulinaristik als Kultur- und Lebenswissenschaft voranbringen,
        • das Bewusstsein für die Bedeutung des sozialen Totalphänomens Essen und der Gastlichkeit in unserem Alltag und Festtag vertiefen,
        • neues Wissen schaffen, indem wir disziplinen- und branchenübergreifend zusammenarbeiten und altes Wissen erhalten, das in der kulturellen Vielfalt bei Produktion und Verzehr von Speisen überliefert ist
        • mit wissenschaftlicher Ethik der Trivialisierung des Nahrungsüberflusses, der Nahrungsnot des Hungers und der ökologischen Probleme entgegenwirken, die Unterschiede zwischen Ernährung und Essen besser verstehen und unsere Genussfähigkeit verbessern,
        • die kulinarische Bildung als kulturelle und im Zeitalter der Globalisierung auch interkulturelle Bildung und mithin als eine Schlüsselqualifikation verdeutlichen.

4. Wer sind unsere Zielgruppen?

Unsere Zielgruppen sind Privatpersonen, Familien, Unternehmer, Wissenschaftler, führende Mitglieder der Bildungs- und Kulturarbeit, des Gastgewerbes, der Kirchen, der Politik und der Öffentlichkeit.

5. Was sind unsere Instrumente?

Unser Ziel ist der Aufbau einer wechselseitigen Aufklärung von Theorie (Wissenschaft) und (lebensweltlicher und beruflicher) Praxis über die Bedeutungen des Essens und der Gastlichkeit im Leben der Menschen. Unsere Instrumente sind die deutsche Sprache, eine fächer- und branchenübergreifende Forschung und kooperative Weiterbildung. Wir geben eine Zeitschrift für Kulinaristik, edieren eine Buchreihe und verliehen einen <Wissenschaftsspreis Kulinaristik> (Sponsor: Edeka Südwest) . Zusammen mit dem Goethe-Institut Mannheim veranstalten wir ein <Goethe Kolloquium zur Kulinaristik>; zusammen mit der Hotelfachschule Heidelberg führen wir ein <Internationales Kolloquium zur Gastlichkeit> durch. Zusammen mit dem Palatin-Kongresshotel in Wiesloch bieten wir der Öffentlichkeit ein <Internationales Symposium zur kulinarischen Bildung> an, auf dem namhafte Redner Stellung auf kompetente und verständliche zu unterschiedlichen Themen nehmen. Insgesamt wird eine Produktlinie aufgebaut, die auch über die kulturellen Grenzen hinausreicht So wird es auf dem kommenden Weltkongress der internationalen Germanistik 2015 in Shanghai zum ersten Mal in der Geschichte des Faches eine Sektion Kulinaristik geben.

⇒ Faltblatt mit Basis-Informationen zum Forum