Idee und Programm
Anfang 2008 hat sich in Mannheim das Kulinaristik-Forum
Rhein-Neckar konstituiert. Es ist als
Netzwerk gebaut und als wissenschaftliche
Arbeits- und Projektgemeinschaft verfasst.
Zweck der Gründung ist, den noch jungen
kulinaristischen Wissenschaften eine geeignete
Plattform für ihre kooperative
Selbstaufklärung und für das
Gespräch mit der vielstimmigen
lebensweltlichen oder beruflichen Praxis zu
verschaffen. Zugleich soll versucht werden,
das kulinarische Selbstverständnis und
die kulinaristischen Kompetenzen der
Metropolregion zu stärken.
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Würdigung der kulturellen Vielfalt
der Essenordnungen und der
inhärenten Interkulturalität
der Kulinaristik wurde das Forum bei
seiner Gründung am Institut
für interkulturelle Kommunikation
des Fachbereiches Translations-, Sprach-
und Kulturwissenschaft der Johannes
Gutenberg-Universität Mainz in
Germersheim angesiedelt, das zur
Metropolregion Rhein-Neckar gehört.
Diese Ansiedlung ist im Protokoll der
Fachbereichsratssitzung vom 14. 1. 2008
dokumentiert. Die Partner folgten mit
diesem Vorgehen den Empfehlungen des
Wissenschaftsrats, "die Vernetzung von
Universitäten und
außeruniversitären
Forschungseinrichtungen zu
intensivieren" (Wissenschaftsrat:
Empfehlungen Januar 2006, Drucksache
7067-06, S.31). |
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Kulinaristik,
Heft 3, erschienen im Juni 2011
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Was will die Kulinaristik und warum
benötigen wir sie?
Das Essen und Trinken prägt unseren
Alltag und Festtag auf vielfache, meist
lustvolle Weise. Vor allem kulturspezifische
Normen, die moderne Nahrungsmittelindustrie
und das Geflecht von Bedeutungen, in denen
Menschen im Rahmen von Makro-, Regional- und
Subkulturen ihre Erfahrungen interpretieren,
bestimmen mit, was wir wann wo mit wem und wie
essen und trinken. Diese komplexen
Prägungen will die Kulinaristik
erforschen und mittels Lehr- und
Weiterbildungsangeboten verdeutlichen. Sie ist
als multidisziplinäres Netzwerk gebaut.
Sie versteht sich als praxisdienliche Kultur-
und Bildungswissenschaft. Sie wird als
Gemeinschaftsleistung benötigt, weil
bislang keines der über viertausend
wissenschaftlichen Fächer die Problematik
zu seinem Schwerpunkt gemacht hat.
Den Namen "Kulinaristik" hat Alois Wierlacher
in Analogie zu "Logistik" oder "Germanistik"
geschaffen, abgeleitet von lat. culina ( = die
Küche). Ausgangsbasis der Konzeption war
die Annahme, dass das Kulturphänomen
Essen als individueller und kollektiver
Verhaltens-, Kommunikations-, Wert-, Symbol-
und Handlungsbereich den ganzen Menschen
betrifft. Voraussetzung der Kulinaristik ist
der nachhaltige Kampf gegen den weltweiten
Hunger. Ihr Ziel ist die kooperative
Erkenntnis der Rolle und Bedeutung des Essens
und Trinkens, der Gastlichkeit und des
Genusses im Aufbau der Kultur(en), in den
Verständigungsprozessen zwischen den
Menschen und in der individuellen menschlichen
Existenz; ihr Zweck ist die Stärkung
unserer kommunikativen und interkulturellen
Kompetenz, unseres Kulturwissens und unserer
kulinarischen Bildung. Diese Bildung ist
insbesondere in den
Überflussgesellschaften eine
Existenzbedingung aller und darum ein
Politikum ersten Ranges geworden.
Was will das Forum?
Das Forum dient als
Kommunikationsplattform der theoretischen und
praktischen Förderung der Kulinaristik in
Forschung, Lehre und Weiterbildung. Zu diesem
Zweck arbeitet das Forum mit
Forschungsinstituten und Wissenschaftlern des
In- und Auslands, mit interessierten
Unternehmern, mit dem Gastgewerbe, mit
Bildungsexperten, Ärzten, Köchen,
Journalisten, Musikern und anderen
Künstlern zusammen. Es ergänzt die
Arbeit der beiden von Alois Wierlacher vor
mehreren Jahren ins Leben gerufenen
Institutionen des "Internationalen
Arbeitskreises für Kulturforschung des
Essens" (1994) und des gemeinnützigen
Vereins "Deutsche Akademie für
Kulinaristik" (2000) um weiterführende
Fragestellungen.
Die drei Kreise der Kulinaristik
Um die Thematik und Komplexität der
Kulinaristik auch Interessenten
verständlich zu machen, die sich bislang
nicht in die Publikationen einlesen konnten,
hat Professor Wierlacher ein besonderes
Strukturbild der kulinaristischen
Kommunikation entwickelt und bei der
Eröffnung des Forums am 5. Juli 2008 zum
ersten Mal vorgetragen. Es lautet: Stellen Sie
sich auf Ihrem Handteller drei konzentrische
Kreise vor. Der innerste Kreis meint die
Nutrition, also die Notwendigkeit zu essen und
zu trinken. Die Beachtung dieses
Erfordernisses ist für alle
lebenswichtig; aus diesem Grund arbeitet die
Kulinaristik mit Naturwissenschaftlern,
Ernährungswissenschaftlern und Medizinern
zusammen. Der zweite Kreis steht für die
Kulturen, die aus dem Reich der Notwendigkeit
ein Reich der Vielfalt von Speisen und
Getränke, Regeln, Zeichen, Normen,
Redeweisen und Symbolen machen und auf die Art
und Weise der Nutrition zurückwirken.
Deshalb erweitern Naturwissenschaftler,
Ernährungswissenschaftler und Mediziner
ihre Blickwinkel und arbeiten mit den
Kulturwissenschaftlern zusammen. Der dritte
und umfassende Kreis repräsentiert die
Gastlichkeit. Sie hält das Ganze unserer
nutritiven, kulturellen und zeitlich
begrenzten individuellen Existenz im
Zusammenleben der Menschen, Völker und
Nationen zusammen und ist das Rahmenthema der
Kulinaristik.
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Basisprospekt des Kulinaristik-Forums
09.04.2012
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