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Denkwerkstatt Kulinaristik „Kochen, Gastlichkeit & Gesellschaft“

Mit der neuen Gesprächsveranstaltung „Denkwerkstatt“, die am 03. November 2016 im Best Western Plus Palatin Kongresshotel und Kulturzentrum in Wiesloch zum ersten Mal statt fand, führte das Kulinaristik-Forum ein innovatives Veranstaltungsformat ein, um das lockere, ungezwungene Nachdenken über die gesellschaftliche und politische Bedeutung dieses Themas öffentlich zu fördern. Die Auftaktveranstaltung widmete sich folgendem Thema:

Kochen hat viele Gesichter: im Haushalt, im Restaurant und in der Betriebsgastronomie,  von der Tiefkühlpizza bis zum Thermomix. Was bedeutet diese Vielfalt für die heutige Gesellschaft?

Hochkarätige Referenten aus Wissenschaft und Praxis widmeten sich diesem Thema im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit anschließendem Meinungsaustausch. Programm

Mitveranstalter waren:

  • die Hotelfachschule Heidelberg
  • das Best Western Plus Palatin Kongresshotel und Kulturzentrum (Wiesloch)
  • die Pädagogische Hochschule Heidelberg/Lehrstuhl für Alltagskultur und Gesundheit
  • die Heidelberger Schlossgastronomie und
  • die Akademie Deutsches Bäckerhandwerk (Weinheim)

Die 2. Denkwerkstatt Kulinaristik findet im Mai 2017 in der Schlossgastronomie Heidelberg (Thema: Die Ehrlichkeit des Kochens – Sterneküche/Fernsehköche) und die 3. Denkwerkstatt findet am 9.11.2017 in der Akdademie des deutschen Bäckerhandwerks in Weinheim (Thema: Kochen und Backen in den Medien) statt.

 

 

 

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Neue Bucherscheinung: Essen ist Kommunikation

Prof. Dr. Ines Heindls neues Buch beschäftigt sich mit der „Esskultur und Ernährung für eine Welt mit Zukunft“.

Essen dient nicht nur dem Überleben. Es ist auch Ausdruck der eigenen Kultur, des sozialen Umfelds und der eigenen Identität. Im Sinne von „Essen ist reden mit anderen Mitteln“ sind Mahlzeiten eine Form der Kommunikation. Erhältlich im Handel: 978-3-930007-36-3 (ISBN).

 

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3. Internationales Symposium zur kulinarischen Bildung angesichts der Widersprüche in der Welt

DSC_0086Am 9. Juli 2016 setzte das Symposium die Reihe der Symposien zur kulinarischen Bildung fort, die das Kulinaristik-Forum und das Palatin Hotel gemeinsam in den vergangenen Jahren eingerichtet und durchgeführt hatten. Es war zugleich ein Festkolloquium aus Anlass des 80. Geburtstages des Gründungsvorsitzenden des Kulinaristik-Forums Prof. Dr. Alois Wierlacher.

Wiesloch und Palatin auf dem Weg zum „Nukleus der Kulinaristik“

„Kulinarische Bildung angesichts der Widersprüche in der Welt“ lautete der Titel des 3. Internationalen Symposiums des Kulinaristik-Forums am Samstag, 9. Juli im Best Western Plus Palatin Kongresshotel in Wiesloch. Die 125 Teilnehmer aus Wissenschaft und Wirtschaft gewannen Einblicke in das Wirken des Forums und seines Gründungsvorsitzenden Prof. Dr. Alois Wierlacher.

Wiesloch, 12. Juli 2016. Wo stünde die Diskussion der kulinarischen Bildung ohne das Engagement von Prof. Dr. Alois Wierlacher? Anlässlich seines 80. Geburtstags widmete sich der Vormittag der Ehrung des Jubilars für seine Leistungen in unterschiedlichen Bereichen der Wissenschaft, vor allem in der Interkulturellen Germanistik und der aus ihr entwickelten Kulinaristik.

DSC_0118Die angemeldeten Gäste trafen sich zunächst beim gastlich offen gestalteten Frühstück, das die Firma Rutz mit einer großen Brottheke ermöglichte hatte. Sie arbeitet auch an dem umfangreichen Band zur „Kulinaristik des Frühstücks“ mit, das Professor Wierlacher als Ergebnis des letztjährigen Symposiums vorbereitet. Im Anschluss an die Begrüßung durch den Hausherrn Klaus Michael Schindlmeier sprachen unter der souveränen Moderation von  Dr. Stefan Wierlacher, dem ältesten Sohn des Jubilars und Abteilungsleiter im R&D-Bereich von Procter & Gamble (Schwalbach/Taunus), in einer ersten Runde die Germanisten: Prof. Dr. Hans-Jürgen Krumm (Wien), Prof. Dr. Gesine Schiewer (Bayreuth) über besondere Leistungen: die Gründung und 40 Jahre lange Herausgeberschaft des Jahrbuch Deutsch als Fremdsprache (Intercultural German Studies), die Gründung und Entwicklungsgeschichte  der Gesellschaft für interkulturelle Germanistik. Der Moderator verlas einen Brief des Dekans der Deutschen Abteilung Prof. Dr. Jianbin Wang der Beijing Foreign Studies University, die sich für 30 Jahre fruchtbare Zusammenarbeit bedankte. Die ehemaligen Mitarbeiterinnen Prof. Dr. Andrea Bogner und Corinna Albrecht (Göttingen) ehrten den Jubilar mit einer Laudatio und einer Festschrift.

Die zweite Runde war dem Übergang von der Germanistik zur Kulinaristik und den besonderen Leistungen des Jubilars bei deren Aufbau gewidmet. Das Kulinaristik-Forum ist heute in der Metropolregion Rhein-Neckar verankert und bundesweit aufgestellt. Seine Mitglieder kommen u. a. aus Berlin, Heidelberg, Karlsruhe, Leipzig und München. Seine Geschäftsstelle ist seit einiger Zeit im Palatin Kongresshotel eingerichtet. Die Weinstadt Wiesloch will sich zum Nukleus der Kulinaristik entwickeln, wie ihr Bürgermeister Ludwig Sauer in aller Form betonte. DSC_0098Die Rednerfolge eröffnete Prof. Dr. Kelletat (Mannheim) mit Erinnerungen über Wierlachers Weg von der interkulturellen Germanistik zur Kulinaristik;  Duschan Gert (Schwarzwaldsprudel Bad Griesbach/Edeka Südwest) sprach über die Gründe, warum er Mitglied des Kulinaristik-Forum geworden ist, und rühmte Professor Wierlachers sachliche und kommunikative Originalität,  die Aufgabe kulinarischer Bildung Menschen jeder Couleur, jeden Alters und jeder Kultur zu verdeutlichen. OStD Martin Dannemann sprach für die Heidelberger Hotelfachschule über die Kooperation mit dem Kulinaristik-Forum im Heidelberger Gastlichkeitskolloquium, das im Herbst 2016 zum dritten Mal durchgeführt wird und dessen Programm wie gewohnt vom Jubilar erarbeitet worden ist. „Professor Wierlacher ist das Kraftfeld, das unser Kolloquium befeuert“, konstatierte er. Alfred Dänzer beleuchtete die Bedeutung der Ernährung für den Genesungsprozess erkrankter Menschen. Prof. Dr. Irmela Hijiya-Kirschnereit (Berlin), Wissenschaftspreisträgerin des Forums,  hielt die kulinaristische Laudatio auf den Geehrten und betonte die Plausibilität seines Ausgangspunkts, die Literaturwissenschaft, und übergab dem Jubilar als Festgabe die neue Ausgabe der Zeitschrift Kulinaristik. Diese hat Professor Wierlacher wie alle anderen Produkte des Forums selbst generiert. Wierlacher bedankte sich bei den Rednern, seiner Familie und allen Anwesenden und beschrieb das Kulinaristik-Forum als ein Orchester, das sich im Zusammenspiel aller Beteiligten realisiere.

Der Nachmittag stellte das eigentliche Symposium dar mit dem Thema „Kulinarische Bildung angesichts der Widersprüche in der Welt“, mit Leidenschaft moderiert von der Ernährungswissenschaftlerin und Vorstandsmitglied des Kulinaristik-Forums,  Prof. Dr. Ines Heindl (Flensburg). „Wie Menschen vom Essen erzählen“, beschrieb Prof. Dr. Regina Bendix (Göttingen) und schlug dabei den Bogen bis zum „Foodporn“, der gegenwärtigen  Darstellung von Essen in den sozialen Medien. „Essen stellt einen Mehrwert für soziales Miteinander dar“, so eine ihrer Schlussfolgerungen. Die getwitterte Mahlzeit sei ein Versuch, die reale gemeinsame Mahlzeit in dieser Funktion, wenn sie nicht wahrgenommen werden kann,  wenigstens medial zu bestätigen.

DSC_0138„Machen wir uns nichts vor: Wir machen uns was vor!“ Mit diesen Worten appellierte Dr. Horst Eichler (Heidelberg) mit seinen ökologischen Überlegungen an das Gewissen der Teilnehmer. Die wenigsten verstünden die Zusammenhänge der globalen Nahrungsmittelproduktion und -distribution. Hier liegen in der Sicht Eichlers auch die Widersprüche unserer Zeit.  Der Autor hat die Zusammenhänge im Schwerpunktteil des letzten Hefts der Zeitschrift des Kulinaristik-Forums dargelegt. Dr. Peter Peter (München) stellte anschließend kulinarische Aufklärung als Strategie gegen den Maßverlust in unserer Gesellschaft zur Diskussion und nannte als Beispiele soziale Projekte prominenter Köche wie zum Beispiel Jamie Oliver. Prof. Dr. Gerhard Rechkemmer (Karlsruhe) schloss sich mit Überlegungen zu den naturwissenschaftlichen Grundlagen der Kulinaristik im Sinne des Modells der drei Kreise der Kulinaristik und rückte sie in das Orchesterbild ein. Prof. Dr. Maren Möhring (Leipzig) sprach zum Abschluss des Symposiums über die „Erfahrung fremder Küchen und ihre produktive Irritationskraft“. Sie hat ein großes Buch zum Thema vorgelegt, für das sie ebenfalls mit dem Wissenschaftspreis des Forums ausgezeichnet worden ist. Sie wird den Text in der vorgesehenen Darstellung der Forumsarbeit („Kulinaristik heute“) präsentieren.

Prof. Dr. Alois Wierlacher bedankte sich am Ende eines inspirierenden Tags für die „hellwachen Vorträge“ und zitierte den Gastgeber Klaus Michael Schindlmeier, Palatin Kongresshotel: „Wir müssen das Wissen schaffen, das wir brauchen“, also müssten wir uns alle überlegen, was wir brauchen.  Alle müssten aufeinander achten wie in einem Orchester. Der Blick auf die Vielfalt sei ebenso wichtig wie der Blick auf deren Einheit. Er schloss die Veranstaltung mit dem am Vormittag geäußerten Kommentar von Bürgermeister Ludwig Sauer, dass Wiesloch beste Aussichten habe, sich mit dem Kulinaristik-Forum, dem Internationalen Symposium zur kulinarischen Bildung und der für den 3. November angekündigten 1. Denkwerkstatt Kulinaristik zum „Nukleus der Kulinaristik“ in Deutschland zu entwickeln.

Das ausführliche Programm des Tages können Sie hier nochmals nachlesen.

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Neue Herausgeberschaft der Zeitschrift „Kulinaristik“

Bislang wurde die Zeitschrift im Wesentlichen vom Vorsitzenden des Forums, Prof. Dr. Alois Wierlacher gestaltet. Das soll auf sein ausdrückliches Betreiben ab 1.1.2016 anders werden. Künftig wird die editorische Arbeit von fünf Mitgliedern des Forums geleistet, von denen drei Preisträger des Forums sind: Oberstudiendirektor OSTD Lothar Bade, der Ernährungswissenschaftlerin und Vorstandsmitglied Prof. Dr. Ines Heindl, der Japanologin und Literaturwissenschaftlerin Prof. Dr. Irmela Hijiya-Kirschnereit, der Psychologin Prof. Dr. Britta Renner und dem Kulturwissenschaftler Prof. Dr. Alois Wierlacher. Redaktionsmitglieder sind Dr. Rolf Klein und Christine Leingang. Als Fachbeiräte wirken der Leiter der Hotelfachschule Martin Dannenmann, der Ökogeograph Dr. Horst Eichler und der Abteilungsleiter des Landesbibliothekszentrum in Speyer Dr. Armin Schlechter mit.

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Das europäische Frühstück

Ein weiterführendes Ergebnis des <2. Internationalen Symposiums zur kulinarischen Bildung> vom Juni 2015 im Palatin Kongresshotel in Wiesloch war die Erkenntnis, dass es keine Monographie über das Frühstück gibt. Sie wird nun vom Kulinaristik-Forum erarbeitet. Einer der zahlreichen Autoren des kommenden Bandes ist Martin Plemper, Oberstudienrat an einem Mannheimer Gymnasium. Er hat mit einer sechsten Klasse einen sehr gelungenen Versuch unternommen, in einer etwas anderen Schulstunde des Faches Erdkunde (1Stunde pro Woche) seinen Schülern die Vielfalt des Frühstücks in Europa (21 Länder) mit allen Sinnen (be-)greifbar zu machen. Mit seiner Erlaubnis und mit der von ihm eingeholten Billigung der Eltern stellen wir einige Ansichten dieses gelungenen <kreativen Milieus> der betreffenden Schulstunde vor und gratulieren zu der Freude am Thema.

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Alltagskulturen des Essens: Das Frühstück

„Alltagskulturen des Essens: Das Frühstück“ als Thema des 2. Internationalen Symposiums zur kulinarischen Bildung des Kulinaristik-Forums in Zusammenarbeit mit dem Best Western Plus Palatin Kongresshotel (Wiesloch)

Denkanstöße und kulturpolitische Perspektiven
Namhafte Redner nahmen Stellung – anspruchsvoll, verständlich, zukunftsorientiert. ⇒ Programm

Brotvielfalt der Bäckerei Rutz

 

Das Frühstück: Nicht nur Nahrungsaufnahme, auch die Kommunikation steht im Vordergrund!

Das Frühstück: Nicht nur Nahrungsaufnahme, auch die Kommunikation steht im Vordergrund!

Wiesloch, 19.6.2015: Die Veranstaltung war eine gelungene Kombination aus wissenschaftsnahen Vorträgen oder Gesprächsrunden und kultivierter Gastlichkeit – ganz so, wie sich die Kulinaristik das Miteinander von Theorie und Praxis vorstellt. Der Vortragsraum bot ein anregendes Ambiente, die angesehene Wieslocher Bäckerei Rutz war der Einladung gefolgt, einen großen, köstlich duftenden Brot-Tisch aufzubauen. Einfallsreiche Stände, vom Hotel konzipiert und dem Küchenchef Reinhard Jäger vortrefflich bestückt, veranschaulichten den Wandel der Frühstückskultur vom Mittelalter über die Moderne (Laptop und Papp-Kaffeebecher) in die Zukunft (unter anderem Algen, Insekten). Zentrales Motiv war die liebevoll gedeckte Frühstückstafel, an der eine richtige Familie zum Schaufrühstücken Platz genommen hatte. Es wurde in vielen Hinsichten anschaulich gemacht: Essen überhaupt und auch das Frühstück ist ein Modus von Kommunikation.

So könnte das Frühstück in der Zukunft aussehen...

So könnte das Frühstück in der Zukunft aussehen…

Eben davon träumen immer mehr Kinder, immer mehr wünschen sich ein gemeinsames Frühstück mit der Familie. Dies war nur eine der Erkenntnisse beim informativen und umfassenden 2. Internationalen Symposium zur kulinarischen Bildung am Freitag, 19.6. Zum gemeinsamen Nachdenken über die erste Mahlzeit des Tages hatten das Kulinaristik-Forum und das Best Western Plus Palatin Kongresshotel Wiesloch eingeladen. „Wir benötigen angesichts der Widersprüche in der Welt eine neue Sicht auf unsere Lebensmittel und eine welt- und regionalpolitisch bewusste kulinarische Bildung“, erklärten die Veranstalter, Prof. Dr. Alois Wierlacher als Vorsitzender des Kulinaristik-Forums und Klaus-Michael Schindlmeier, Direktor des Best Western Plus Palatin Hotels, der seit 2014 Mitglied des Vorstand des Kulinaristik- Forums geworden ist, weil er seine Ziele im Allgemeinen und für das Hotelgewerbe  im Besonderen für dringlich und wichtig hält. Im Blick auf ihre kultur- und regionalpolitische Bedeutung wurde die Veranstaltung von der Volksbank Kraichgau Wiesloch-Sinsheim sowie der Sparkasse Heidelberg gefördert.

Das Frühstück im Mittelalter gestaltete sich ganz anders...

Das Frühstück im Mittelalter gestaltete sich ganz anders…

In zahlreichen Vorträgen und Diskussionsrunden beleuchteten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Vertreter aus Politik und Berufspraxis Aspekte des Frühstücks. Eröffnet wurde die Vortragsfolge mit der Frage  nach einer Besonderheit des deutschen Frühstücks: Warum gibt es zum Frühstück vielfach Brötchen? Die Antwort hatten die Veranstalter dem Direktor der Bundesakademie des Bäckerhandwerks in Weinheim, Bernd Kütscher, anvertraut: Bis in die Nachkriegszeit war Roggen das Hauptgetreide (aus dem man keine Brötchen backen könne, denn Roggenbrötchen enthalten nur 50 % Roggenmehl), erst dann setzte sich der Weizen durch. Früher war es vor allem der Adel, der kleine Weißbrote bevorzugte. Als „Brötchen“ gelten heute in lebensmittelrechtlicher Hinsicht  Backerzeugnisse, die leichter als 250 Gramm sind – die schwereren nennt man <Brot>. Auch warum es in Deutschland eine so große Brotvielfalt gibt (rund 3250 Sorten verzeichnet aktuell das Brotregister des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks), erfuhren die zahlreichen Teilnehmer des Symposiums: In dem einst durch Kleinstaaterei geprägten Deutschland diente das Brot der Identitätsstiftung, und heute erwartet der Verbraucher ein vielfältiges Angebot.

Bernd Kütscher, Direktor der Bundesakademie des Bäckerhandwerks

Bernd Kütscher, Direktor der Bundesakademie des Bäckerhandwerks

Auch die Politik hat die Bedeutung des Frühstücks erkannt. Laut Cornelia Bressem, Referatsleiterin Ernährung im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, gibt es in der Politik eine Diskussion und viele Initiativen etwa zur nachhaltigen Ernährung von Schulkindern. Dabei stehe allerdings eher das Mittagessen in den Schulkantinen im Vordergrund.

Das Frühstück betrifft den privaten Bereich der Familien, auf den „die Politik nur begrenzten Einfluss“ habe (Thomas Funk MdL, SPD). Ein komplexes Thema also, bei dem es keine einfachen Lösungen gebe. „Es gibt viele Stellschrauben, an denen wir drehen müssen“, erklärte Dr. Kai Schmidt-Eisenlohr MdL (Grüne): „Das Problem sind nicht die Kinder und Jugendlichen, sondern wir Erwachsenen“. Allzu oft erlaube die morgendliche Organisation des Familienlebens kein ausgedehntes gemeinsames Frühstück. Dass die sich ändernden Bedingungen eine Reaktion der Politik erfordern, darüber waren sich alle Vertreter der Parteien einig. „Essen braucht auch Raum“, sagte Peter Hauk MdL (CDU) und verwies damit auf ein simples Problem der Schulen. „Ob ich Zeit zum Frühstück habe, liegt an mir und dem Wert, den ich dem Frühstück gebe“, unterstrich der ehemalige Verbraucherminister und erinnerte daran, dass auch Politiker allzu oft in den Pausen Sitzungen anberaumen. Genuss-Inseln im Alltag schaffen, lautet das Ziel. Im Bildungsplan werden, wie vom Kulinaristik-Forum gefordert, auch Aspekte der Ernährung berücksichtigt, die über die reine Nutrition hinausgehen wie das „kulturelle Vergnügen“ beim gemeinsamen Zubereiten und Genießen von Mahlzeiten, versicherte der Direktor des Landesinstituts für Schulentwicklung im Kultusministerium Baden-Württemberg, Prof. Dr. Günter Klein. „In der Landes-Politik Baden-Württemberg geschieht mehr als wir denken“, zog der Vorsitzende des Kulinaristik-Forums, Prof. Dr. Alois Wierlacher, ein zufriedenes Fazit der Diskussionsrunde mit den Landespolitikern.

... und spannende Diskussionsrunden!

… und spannende Diskussionsrunden!

OStD Lothar Bade (Pamina Schulzentrum Gymnasium Herxheim) hatte 200 seiner Schüler befragt: 30 Prozent frühstücken an Wochentagen nicht zu Hause; von denen, die dies tun, frühstücken 50 % alleine und nur 3 Prozent mit Eltern und Geschwistern. Das Frühstück dauert im Durchschnitt 12 Minuten. Doch auch hier wurde deutlich: viele wünschen sich ein gemeinsames Frühstück und bekommen es nicht.

Prof. Dr. Nicole Graf, Rektorin der DHBW Heilbronn, brachte das Problem auf den Punkt: „Auch Eltern ist bewusst, dass das Frühstück eine große Bedeutung hat. Aber wie setzt man dieses Bewusstsein um?“ Häufig gehörte Erklärungen der Schüler, die nicht zu Hause frühstücken: „Unsere Rhythmen passen nicht zusammen“ – aber auch: „Wir schlafen zu lange!“ Tipps können Eltern im Rahmen eines Kita-Projekts „Abenteuer Essen“ erhalten, von dem Rainer Lowack, Geschäftsführer der Metropolregion Rhein-Neckar GmbH, berichtete. Neben der Ausbildung der Erzieherinnen werden insbesondere die Eltern ins Boot geholt, um bei den Kindern die Freude an und Neugier auf die Ernährung zu aktivieren. Dass das Frühstück eine wichtige Mahlzeit ist, daran bestehe auch aus ernährungsphysiologischer Sicht kaum Zweifel, wie der Präsident des Max Rubner-Instituts in Karlsruhe, Prof. Dr. Gerhard Rechkemmer, anhand verschiedener Studien ausführte.

Frühstück heute?

Frühstück heute?

„Frühstücken Sie mit oder ohne Zeitung?“, fragte der Gastrosoph und ehemalige Banker Otto Steinmetz kritisch. Wer sich ablenkt, könne nicht richtig genießen, so die These. Steinmetz verwies auf die Bedeutung der Regelmäßigkeit auch für die organinterne, „somatische“ Intelligenz, mit der der Körper auf seine Bedürfnisse aufmerksam mache. „83 Prozent der Informationen nimmt der Mensch mit den Augen auf“: Wer Zeitung liest, hat demnach weniger Genuss vom Frühstück. Näher zu bedenken bleibt darüber hinaus, dass die Zeitung an die Stelle des Gesprächspartners tritt.

Kulturgeschichtlich ist das Frühstück eine relativ junge Erscheinung, wie die Sprachwissenschaftlerin Prof. Dr. Elke Ronneberger-Sibold (Eichstätt) darlegte. Während die wohlhabenderen Bürger relativ spät das nächtliche Fasten brachen (breakfast, frz. déjeuner), ergab sich für die Menschen, die früh aufstehen und arbeiten mussten, die Notwendigkeit einer morgendlichen kleinen Mahlzeit (frz. petit déjeuner). Je nach Kulturkreis hat sich das Frühstück ganz verschieden entwickelt, spielt dabei aber eine wichtige Rolle für die Identitätsfindung. Das stellten am Beispiel des britischen und amerikanischen Frühstücks anschaulich die Wissenschaftler Prof. Dr. Stefan Diemer und Marie-Louise Brunner aus Saarbrücken dar. Die bildende Kunst greift das Thema dagegen erst im 17. Jahrhundert auf, so der Direktor des Sprengel-Museums in Hannover, Dr. Reinhard Spieler.Reinhard Spieler. Auf einem Stillleben von Floris Gerritsz van Schooten von 1630 war ein Brötchen zu sehen, das einem modernen „Weck“ vollkommen ähnlich sieht.

Ein doppeltes Fazit: Eine sehr gelungene Veranstaltung, die dem Palatin als Partner des Kulinaristik-Forums eine neue Funktion gibt und die Erkenntnis bekräftigt: Klagen über den zu großen Einfluss der Ernährungsindustrie und das schwierige Zeitmanagement am Morgen bringen weniger als selber aktiv zu werden, um die Situation zu verändern (Direktor Klaus Michael Schindlmeier). Warum nicht gleich morgen früh mit einem guten gemeinsamen Frühstück anfangen?

Dr. Rolf Klein, Pressestelle Kulinaristik

1. Diskussionsrunde (v.r.):Dr. Kai Schmidt-Eisenlohr (Die Grünen, Wiesloch), Vorsitzender des Kulinaristik-Forums Prof. Dr. Alois Wierlacher, Prof. Dr. Günter Klein (Direktor des Landesinstituts für Schulentwicklung), Cornelia Bressem (Leiterin des Referats Ernährung im Ministerium für Ländlichen Raum), Thomas Funk (SPD, Sinsheim), MdL Peter Hauk (Verbraucherminister a. D., CDU, Adelsheim), Klaus Michael Schindlmeier (Geschäftsführer Best Western Plus Palatin Kongresshotel)

Rainer Lowack, Geschäftsführer MRN GmbH: Das Kitaprojekt der Metropolregion

 

Otto Steinmetz: Frühstücken Sie mit oder ohne Zeitung?

Otto Steinmetz: Frühstücken Sie mit oder ohne Zeitung?

 

Dr. Reinhard Spieler, Direktor des Sprengel Museums in Hannover: Das Frühstück in der Bildenden Kunst

Dr. Reinhard Spieler, Direktor des Sprengel Museums in Hannover: Das Frühstück in der Bildenden Kunst

 

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2. Diskussionsrunde (v.l.): MdL Karl Klein (CDU, Mühlhausen), OSTd Lothar Bade (Herxheim), Dr. Frieder Schmitz (Zahnarztpraxis, Walldorf), Uschi Schneider (Forum Ernährung Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis), Prof. Dr. Nicole Graf (Rektorin der DHBW Heilbronn), Prof. Dr. Ines Heindl, Moderation (Ernährungswissenschaftlerin und Vorstandsmitglied des Forums)

Lothar Bade, Direktor der UNESCO-Projektschule Gymnasium (Herxheim)

Lothar Bade, Direktor der UNESCO-Projektschule Gymnasium (Herxheim): Empirische Befunde zum Frühstücksverhalten von Schülern

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Dr. Horst Eichler

Welternährungskonferenz: Mageres Ergebnis

01.07.2015 Aktuelles

Horst Eichler, Geo-Ökologe und Mitherausgeber der Ausgabe 6 der Zeitschrift Kulinaristik (Schwerpunkt „Kulinaristische Ökologie“) nahm zur im November 2014 zu Ende gegangenen Welternährungskonferenz ICN2 und zu ihren Aussagen zum globalen Ernährungsproblem Stellung.

Vertreter aus 190 Staaten waren im November 2014 auf Einladung der FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations) und der WHO (World Health Organization) in Rom zur „Second International Conference on Nutrition (ICN2)“ zusammengekommen. Thema und Ziel sollten eine Übersicht der in den letzten Jahrzehnten getroffenen Maßnahmen und der dadurch erreichten Fortschritte bei der Hungerbekämpfung, sowie eine zukünftige Stärkung der internationalen Zusammenarbeit zur generellen Verbesserung der Nahrungssituation sein.

Obgleich die Weltgemeinschaft einen international  verbindlichen Aktionsplan zur Verbesserung der z.T. inakzeptablen globalen Ernährungssituation, also konkrete Maßnahmen gegen den Hunger sowie gegen die globale Mangel- und Fehlernährung, erwartet hatte, hat es nur zu einem mageren Abschlussdokument, der „Rome Declaration on Nutrition“, gereicht.

Darin werden die vielfältigen, lange bekannten und auch immer wieder diskutierten Gründe des Hungers und der Nahrungsmittelknappheit  festgestellt  und bestätigt, um nach  einer mehrseitigen Agenda von unverbindlichen „Man-sollte-Sätzen“ und „Es-ist-nötig-Hinweisen“ der Generalversammlung der Vereinten Nationen zu empfehlen, eine von 2016 bis 2025 dauernde „Decade of Action on Nutrition“, also eine Ernährungs-Dekade auszurufen.

Natürlich wurde das Problem der weltweit über 800 Millionen Hungernden und der etwa 2 Milliarden unter Mangelernährung oder dem so genannten „verborgenen Hunger“ leidenden Menschen angesprochen und auch die Tatsache, dass weltweit  45 Prozent der Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren auf diesen Mangel zurückzuführen seien. Aber durchschlagende Erfolgsberichte?

Im Jahre 2000 hatte sich die in der UN-Vollversammlung vertretene Weltgemeinschaft  mit den acht „Millenniumszielen“ die Aufgabe gestellt, die sozialen, wirtschaftlichen und gesundheitlichen Probleme der Welt in den nächsten 15 Jahren weitgehend zu minimieren. Eine dieser Aufgaben lautete, die absolute Zahl der Menschen, die an Hunger leiden, bis  zum Jahre 2015 zu halbieren. Nur in wenigen Ländern ist dies wirklich gelungen. Und obgleich sich die relativen Erfolgszahlen optimistisch darbieten – nämlich ein Rückgang des Hungerphänomens zwischen 1999 und 2013 von etwa 24 auf ca. 14 % – , macht das immer noch starke Bevölkerungswachstum  den Fortschritt im Kampf gegen Hunger, Unter- und Fehlernährung in vielen Ländern zunichte.

Doch das immer noch global-ökologisch bedrohliche Welt-Bevölkerungswachstum und die damit jährlich dramatisch schrumpfende Pro-Kopf-Nährfläche war ein vergessenes Thema der ICN2.

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Goethe-Kolloquium zur Kulinaristik 2015

19. März 2015 Goethe-Institut Mannheim-Heidelberg

In Kooperation mit dem Goethe-Institut Mannheim-Heidelberg
und dem Lehrstuhl Germanistik II der Universität Mannheim

Veranstaltungsort:
Goethe-Institut Mannheim-Heidelberg
Steubenstraße 44, 68163 Mannheim
Tel. 0621-83385-0

Einladung